Liebe
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Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.

Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.

Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann
wie der Nordwind den Garten verwüstetet.

Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich.
So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich.
So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen
und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern,
steigt sie hinab zu deinen Wurzeln
und erschüttert sie in Ihrer Erdgebundenheit.

Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.
Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.
Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.
Sie mahlt dich, bis du weiss bist.
Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist;
Und dann weiht sie dich ihrem heiligem Feuer,
damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.

All dies wird die Liebe mit dir machen,
damit du die Geheimnisse deines Herzens kennenlernst
und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.

Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst,
dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken
und vom Dreschboden der Liebe zu gehen.
In die Welt ohne Jahreszeiten,
wo du lachen wirst, aber nicht dein ganzes Lachen,
und weinen, aber nicht all deine Tränen.

Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.

Liebe besitzt nicht, noch läßt sie sich besitzen;

Denn die Liebe genügt der Liebe.

Khalil Gibran

11 Gedanken auf \"Von der Liebe\"

  1. Viele kennen
    Gibrans wundervolle Zeilen.

    Lust – Frust
    Glut – Wut
    Nähe – Distanz
    Glück – Schmerz
    Freude – Leid
    Befriedigung – Leere
    Sehnsucht – EigenSINN

    sind alles Essenzen,
    des grossen Gefühls,
    der Liebe.

    Ist es nicht
    seltsam,
    dass wir nur
    das Gute suchen,
    und alles andere,
    das uns
    zum Wachstum verhilft,
    ablehnen?

    1. Es ist, weil jene anderen Seiten, die, die das Schöne erst zeigen, wie ein Schatten das Licht, Schmerz bedeuten. Wachstumsschmerzen. Sie erfordern eine mentale Stärke, die nicht jeder Mensch in die Wiege gelegt bekommt.
      Darum vielleicht…?

  2. Lieber Maranxa,
    dies ist einer der wundervollen weisen Texte von Khalil Gibran, den ich schon mehrmals gelesen und erfahren habe.
    Schön, ihn heute und hier wieder zu finden.
    Sei herzlich gegrüßt von
    Marina

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