Erschaffung Adams
Erschaffung Adams | Michelangelo

Letzte Nacht träumte mir, ich führte ein Interview mit Gott.

"So, du möchtest mich also interviewen?", fragte Gott, leicht amüsiert.

"Wenn dafür etwas Zeit...", begann ich. Vor lauter Unsicherheit kam ich jedoch erst nicht weiter. Schliesslich hat man nicht jeden Tag die Gelegenheit, Gott höchstpersönlich zu interviewen!

Gott lächelte. Nein, Spott war nicht in seinem Gesicht zu erkennen. Nur Milde und unendliche Geduld. Beruhigend fuhr Gott fort: "Meine Zeit ist die Ewigkeit. Welche Fragen möchtest du mir denn stellen?"

"Was ist das Überraschendste an uns Menschen?", fragte ich.

Gott antwortete:

"Dass die Kindheit euch so sehr anödet, dass Ihr es kaum abwarten könnt, endlich erwachsen zu werden... und dann sehnt Ihr Euch nach der Kindheit zurück."

"Dass ihr auf der Suche nach Geld eure Gesundheit runiniert... nur um es anschliessend dafür auszugeben, um wieder gesundgepflegt zu werden."

"Dass ihr aus lauter Sorgen um die Zukunft die Gegenwart vergesst... so dass ihr weder in der Gegenwart noch in der Zukunft lebt."

"Dass Ihr so lebt, als würdet Ihr nie sterben... und sterbt, als hättet Ihr nie gelebt."

Gottes Hand ergriff meine und wir verharrten in tiefem Schweigen für eine Weile.

Und dann fragte ich: "Was sind die wichtigsten Lektionen, die wir als deine Kinder lernen sollten?"

Gott dachte einen kurzen Moment nach, und sagte dann:

"Ihr könnt niemanden dazu zwingen euch zu lieben. Alles was ihr tun könnt, ist zu versuchen, liebenswürdig zu sein."

"Ihr solltet lernen Anderen zu vergeben, indem ihr nie vergesst, daß auch ihr Fehler macht."

"Es reicht nicht aus Anderen zu vergeben, wenn man sich nicht selber vergeben kann."

"Zwei Menschen können dasselbe sehen und trotzdem Verschiedenes wahrnehmen."

"Es braucht nur wenige Sekunden, um tiefe Wunden in Menschen die euch lieben aufzureissen; die dann viele Jahre brauchen um zu heilen."

"Manche Menschen, die euch sehr lieben, haben es einfach noch nicht gelernt, es offen zu sagen. Sie tun sich schwer damit, euch ihre Gefühle zu offenbaren."

"Reich ist nicht derjenige, der das meiste hat, sondern wer das wenigste benötigt."

"Es ist nicht gut, wenn ihr Euch mit Anderen vergleicht."

"Vielen Dank für die Zeit", sagte ich bescheiden.

"Gibt es noch etwas, was deine Kinder wissen sollten?"

Gott lächelte, und sagte: "Nur dass ich immer da bin!"

Nach einem unbekannten Verfasser

In dieser Geschichte verwende ich den Namen "Gott". Solltest du einer anderen Religion angehören, oder für dich eine andere Lebensphilosophie gelten, kannst du den Namen Gott gerne auch durch Allah, Buddha, Universum, Schöpfung, Schicksal, Karma ... ersetzen.

11 Gedanken auf \"Interview mit Gott\"

  1. Lieber Xaver, danke für diesen Text. Er hat mir nach einem langen, anstrengenden Tag noch ein Lächeln auf die Lippen gezaubert 🙂 Liebe Grüße, Sarah

    1. Guten Abend Zoé, vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast Recht, es kommt auch darauf an, was einem angetan wurde! Vergeben ist nicht immer möglich, vergessen schon gleich gar nicht! Manchmal ist professionelle Hilfe dringen nötig. Liebe Grüsse, Xaver

  2. Hab vielen Dank für diese Liebe und Güte vermittelnde Gottes-Botschaft,
    lieber Xaver.
    Für mich ist immer wesentlich, was ich beim Lesen fühle – und hierbei breitete sich ein ganz wohliges Lächeln in meinem Gemüt und sicherlich auch in meinem Gesicht aus 🙂 .
    Alles Liebe und herzliche Grüße von
    Marina

    1. Liebe Marina, vielen Dank für deine wunderschöne Rückmeldung. Ich sende dir herzliche Grüsse und wünsche dir und den deinen ein schönes Osterfest 🙂

  3. Ohne diesen Weisheiten und dieser Wärme wären wir Menschen unendlich träge und arm, frierend und ungeschützt. Danke für diesen Beitrag, lieber Xaver, der mich heute in meinen Gedanken bestärkt. Liebe Grüße, Sylvia

    1. Danke Sylvia,
      ja unsere Tagesbeiträge überschneiden sich an vielen Stellen.
      Gefragt sind immer nur wir in Personalunion “Verzeihen – auch uns selbst, Loslassen – eine der wichtigsten Voraussetzungen! Tun wir es nicht; geben wir Gedanken und Gefühlen, auch anderen Menschen eine Macht über uns, die ihnen gar nicht zusteht, uns aber ungeheuere Energiereserven raubt – dann erst können wir vielleicht vergessen”
      Liebe Grüsse, Xaver 🙂

  4. Die ersten vier Antworten habe ich, glaube ich, einmal als Antworten des Dalai Lama auf ähnliche Fragen gelesen. Aber es ist ja nicht so wichtig woher sie kommen, auf jeden Fall sind das doch sehr solide Lebensweisheiten.

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