Adler am Säntis
Adler im Säntis Panorama | Christian Scharinger @ pixelio.de

Ein Mann – so wird erzählt – fing sich im Wald einen jungen Adler.

Er nahm ihn mit nach Hause und steckte ihn zu seinen Hühnern in den Hühnerstall. Er gab ihm Hühnerfutter zu fressen, obwohl er doch ein Adler war, der König  der Lüfte!

Nach einigen Jahren kam einmal ein Naturkundiger zu Besuch. Dem fiel der Adler auf und er sagte: "Der Vogel dort ist kein Huhn, sondern ein Adler!“ "Ja“, atwortete der Mann, "das stimmt. Aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn.“ "Nein“, entgegnete der andere: "er ist noch immer ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers und das wird ihn hoch hinauffliegen lassen in die Lüfte“. "Nein, nein“, sagte der Hühnerzüchter: "er ist jetzt ein richtiges Huhn geworden und wird niemals mehr wie ein Adler fliegen.“

Darauf beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der vogelkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: "Du, der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde, breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler auf der hoch gestreckten Faust blickte sich um. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken und er sprang zu ihnen hinunter und pickte mit.

Der Naturkundige gab aber noch nicht auf. Am nächsten Tag stieg er mit dem Adler am Arm auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: "Adler, der du ein Adler bist, breite deine Schwingen aus und fliege!“ Aber, als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hof erblickte, sprang er zu ihnen hinunter und scharrte mit.

Da sagte der Mann: "Ich habe es dir ja gesagt, er ist ein Huhn und er bleibt ein Huhn.“ "Nein“, sagte der andere: "Er ist ein Adler und er hat noch immer das Herz eines Adlers. Lass es uns noch ein einziges Mal versuchen. Morgen werde ich ihn fliegen lassen!“

Am nächsten Morgen ging er mit dem Adler vor die Stadt auf einen hohen Berg. Er hob ihn empor und flüsterte ihm zu: "Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel, nicht dieser Erde. Breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler zitterte, aber er flog nicht. Da liess ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen und plötzlich breitete der Adler seine Schwingen aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers in die Luft und kehrte nie wieder zurück.

nach James Aggrey, leicht geändert

Hinweis: Diese Geschichte stammt aus Afrika und sie endet im Orignal mit folgendem Aufruf: "Völker Afrikas! Wir sind geschaffen nach dem Ebenbilde Gottes, aber Menschen haben uns gelehrt, wie Hühner zu denken, und noch denken wir, wir seien wirklich Hühner obwohl wir Adler sind. Breitet eure Schwingen aus und fliegt! Und seid niemals zufrieden mit den hingeworfenen Körnern."

14 Gedanken auf \"Der Adler\"

  1. Das ist eine Geschichte, die sehr nachdenklich macht und uns deutlich machen sollte, dass wir zu dem gemacht werden, zu dem wir uns machen lassen! Das ist nicht die einzige Weisheit in dieser Geschichte, die ich zunächst verarbeiten möchte, um sie mit allen Sinnen zu verinnerlichen. Ich danke Dir von ganzem Herzen für das Teilhaben”lassen” :-). Liebe Grüße, Sylvia

    1. Liebe Sylvia.
      Ja, in dieser Geschichte steckt viel mehr, als beim 1. Lesen bemerkt. <3lichen Dank für deine feinfühlige Rückmeldung.
      Liebe Grüsse, Xaver 🙂

    1. Liebe Karfunkelfee. Danke für deinen Kommentar, es ist eine interessante Idee. Allerdings käme ich echt ins Grübeln, wenn ich annehmen müsste, es rennen ca. 1,1 Milliarden Gnostiker durch Afrika. Liebe Grüsse, Xaver!

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