Pablo Neruda
Pablo Neruda

Langsam stirbt, wer Sklave der Gewohnheit wird, in dem er jeden Tag die gleichen Wege wiederholt, wer nie seine Marke ändert, wer nie riskiert und nie die Farbe seiner Kleider wechselt, wer mit niemandem spricht, den er nicht kennt.

Langsam stirbt, wer die Leidenschaft vermeidet, wer Schwarz dem Weiß und das Tüpfelchen auf dem „i" bevorzugt, anstatt einer Vielfalt von Emotionen, eben solche die die Augen glänzen lassen, solche die ein Gähnen in ein Lächeln verwandeln, solche die das Herz in Gegenwart eines Fehlers und Gefühlen hoch schlagen lassen.

Langsam stirbt, wer den Tisch nicht umstülpt, wenn er sich unglücklich auf seiner Arbeit fühlt, wer um einen Traum zu verfolgen die Sicherheit für Unsicherheit nicht riskiert, wer sich nicht einmal in seinem Leben die Freiheit nimmt, sich vernünftigen Ratschlägen zu entziehen.

Langsam stirbt, wer nicht reist, wer nicht liest, wer keine Musik hört, wer nicht das Edle in sich selbst findet.

Langsam stirbt, wer die Liebe zu sich selbst zerstört; wer sich nicht helfen lässt.

Langsam stirbt, wer die Tage damit verbringt, über sein Unglück oder über den ununterbrochenen Regen zu klagen.

Langsam stirbt, wer ein Projekt abschreibt, bevor er es beginnt; wer keine Fragen stellt zu Argumenten, die er nicht kennt; wer nicht antwortet, wenn man ihn nach etwas fragt, das er weiss.

Vermeiden wir den Tod in kleinen Raten, in dem wir uns immer erinnern, dass leben eine viel grössere Anstrengung beinhaltet, als die einfache Tatsache zu atmen.

Nur die unauslöschliche Geduld wird zu einer wunderbaren Glückseligkeit führen.

Pablo Neruda

3 Gedanken auf \"Ode an das Leben\"

  1. ganz und gar einverstanden! hm, je mehr alte teile man von seinem leben bewahren will, desto weniger innerer raum bleibt für die neuen erfahrungen, die das leben verändern könnten…und man lebt die vergangenheit auch in zukunft weiter. liebe grüsse

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